Yoga Stile

Jeder von uns hat schon einmal den Satz gehört „Yoga ist doch nur rumliegen und entspannen“ oder „Yoga ist nichts für mich“. Solltest Du schon länger Yoga praktizieren, musst Du darüber sicher schmunzeln. Bist Du allerdings ganz neu in der Yoga Welt, wirst Du feststellen, das es viele unterschiedliche Yogastile gibt und es ein „Herausfinden“ ist, welcher Yogastil dir entspricht und erlaubt dein Potenzial zu entfalten.

Viel wichtiger als der Yogastil ist allerdings, dass die Chemie mit dem Yogalehrer stimmt. Du solltest ein vertrauensvolles Gefühl haben und seine Kompetenz spüren. Ob ein Lehrer oder Stil zu Dir passt, zeigt sich erst im Laufe der Zeit. Probiere es mehrmals aus, da Yoga seine Wirkung nicht sofort nach dem Kurs entfaltet sondern es immer ein paar Stunden dauert. Du wirst spüren, was Dir gut tut. Die folgenden Ausführungen über die Yogastile sind nur Anhaltspunkte. Finde selbst heraus, was für Dich richtig ist.

Beachte Dein persönliches Temperament

Wenn Du ein sehr dynamischer, bewegungsaktiver Mensch bist, dann ist ein eher langsamer Yogastil geeignet für Dich. Dein Gehirn und Dein Körper sind bereits auf Aktivität eingestellt und es ist eine neue Herausforderung für sie, sich auf langanhaltende Dehnphasen oder langsame Bewegungen einzustellen. Hier ist Yin Yoga ein geeigneter Stil.

1. Hatha Yoga

Die im Westen bekannteste Form des Yoga, die schon seit über 50 Jahren angeboten wird. Aus den Lehren des Hatha Yoga haben sich alle nachfolgend beschriebenen Stile, Traditionen und Schulen entwickelt. So gedeihen unter seinem Dach sanfte und kraftvolle Techniken, einfache Körper-Wahrnehmungsübungen und hochkomplexe Körperhaltungen, Atemübungen oder Konzentrationen.

Hatha Yoga umfasst Asanas sowie Bewegungsabläufe (Vinyasa oder Flow), Atemübungen (Pranayama), mentale Entspannungstechniken und Meditation. Alle Techniken des Hatha Yoga setzen am Körper an und führen weiter über den Atem zum Geist.

2. Kundalini Yoga

Yogi Bhajan machte Kundalini Yoga Ende der 60er-Jahre in den USA bekannt. Die Übungsreihen sind eine Kombination aus dynamischen Körperübungen, bewusster Atmung, geistiger Ausrichtung und Mantra. Kundalini Yoga ist oft sehr dynamisch, um unsere Lebensenergie (Prana) zu wecken. Dieser Übungsweg zieht die Spiritualität und die Hingabe an den Guru ganz offen und bewusst mit ein.

3. Ashtanga Yoga

Eine sehr kraftvolle, dynamische Richtung. In Fitnessstudios findest du diese Form gelegentlich unter dem Namen Power Yoga. Das Übungssystem besteht aus einer festgelegten Reihenfolge, die jeweils mit Bewegungselementen verbunden ist. Dieser Bewegungsfluss wird mit einem gleichmäßigen Atem begleitet, wodurch das Üben einen sehr meditativen Akzent bekommt. Die Reihenfolge ist so aufeinander abgestimmt, dass nacheinander alle Körperteile aktiviert und gedehnt werden. Man kann sehr gut abschalten und kommt ordentlich ins Schwitzen.
Sportlich ambitionierte Menschen mit guter Kondition, die eine klar strukturierte Praxis suchen, finden oft im Ashtanga ihr Yoga-Glück. Diese Richtung erlaubt es auch schnell, selbstständig zu üben.

4. Iyengar Yoga

Kraftvolles Üben, das sich durch äußerst genaue Ansagen auszeichnet und so einen hohen Grad an Präzision ermöglicht. Es wird teilweise mit Hilfsmitteln (Props) wie Holzblöcken, Decken und Gurten gearbeitet, um die Ausführung komplexer Asanas auch für Anfänger und Menschen mit körperlichen Einschränkungen zu ermöglichen. Da die exakte Ausführung der Übungen im Vordergrund steht, sind spirituelle Ansätze eher indirekt während der Praxis zu finden und spielen bei manchen Lehrern eine manchmal untergeordnete Rolle.

5. Jivamukti Yoga

Kraftvoll dynamischer, schweißtreibender Stil, der 1984 in den USA von Sharon Gannon und David Life entwickelt wurde. Die Übungen werden fließend geübt und von Musik begleitet. Typisch ist, dass der Lehrer die Schüler mit Körpereinsatz korrigiert. Nichts für Kontaktscheue, aber stark im Trend. Darüber hinaus rezitiert der Yogalehrer aus altindischen Schriften, spricht über Philosophien oder Lebensweisheiten. Mantren und Meditation gehören zur Übungspraxis dazu, außerdem wird Wert auf einen gewaltfreien und veganen Lebensstil gelegt.

Interessant für Menschen, die neben einer intensiven, fließenden Yogapraxis mehr über die Yoga-Philosophie lernen möchten und eine Yoga-Gemeinschaft suchen.

5. Sivananda Yoga

Der Fokus ist eher meditativ und spirituell. Im Mittelpunkt der Übungspraxis stehen die zwölf Asanas der Rishikesh-Reihe, die immer in der gleichen Reihenfolge ausgeführt werden. Die Asanas dieser Reihe sind teilweise sehr anspruchsvoll. Durch die Konzentration auf die Atmung und die Energiezentren kommen die Gedanken zur Ruhe. Mantren und Gebete sind fester Bestandteil der Praxis.

Wer nach einer ganz klar strukturierten Yoga-Praxis üben möchte und bereit ist, sich auch auf weltanschauliche Aspekte des Yoga einzulassen, kann im Sivananda seinen Platz finden.

6. Anusara Yoga

Kraftvolle Hatha-Variante, die 1997 von dem US-Amerikaner John Friend entwickelt wurde. Sie stützt sich – basierend auf der Tantra-Philosophie – auf eine lebensbejahende Philosophie, die das Gute in allen Menschen und Dingen sieht. Bei der Ausführung der Asanas steht zum einen die exakte Ausrichtung im Mittelpunkt – John Friend arbeitet viel mit modernen bio-mechanischen Prinzipien – zum anderen.

7. Vinyasa Flow und Power Yoga

Hier werden klassische Asanas zu immer wieder neuen, kreativen Bewegungsabfolgen zusammengestellt, sodass sich ein anstrengender, fließender Übungsstil (Flow) entwickelt. Es wird mit einer intensiven Atemführung und mit Musik geübt. Ein wichtiges Ziel ist es, die eigene Kraft und Lebendigkeit zu erfahren.

Bereichernd für alle, die ein intensives, schweißtreibendes Üben suchen, bei dem man besonders gut abschalten kann.

8. Yin Yoga

Beim Yin Yoga kannst du so richtig entspannen. Die Asanas werden in der Praxis sehr lange gehalten, meistens zwei bis drei Minuten. So kann dein Körper sich so richtig in die Haltungen hinein entspannen, du kannst loslassen und so tiefe Entspannung erfahren. Yin Yoga dehnt besonders deine Faszien bzw. dein Bindegewebe. Ins Schwitzen kommst du bei diesem ruhigen Yogastil also eher nicht, die Dehnungen können aber durchaus intensiv sein. Im Gegensatz zum Hatha oder etwa Iyengar Yoga kommt es hier nicht auf eine exakte Ausführung der Asanas an, sondern darauf, dass es sich für dich gut anfühlt und du die Pose ohne Anstrengung halten kannst.

Besonders für sehr aktive Typen, denen es schwerfällt, sich zu entspannen, kann dieser meditative Yogastil perfekt sein – auch wenn es zunächst herausfordernd ist.

Quelltext: https://www.yogaeasy.de/artikel/welcher-yoga-stil-passt-zu-mir